Etikette: Unterschied zwischen den Versionen
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Version vom 9. August 2024, 13:22 Uhr
Einführung
Die Gesellschaft der Vampire unterhält eine straffe und höfische Ordnung. Die Grundsätze dieser Ordnung werden als Etikette bezeichnet – sie steht für eine Systematik aus verschiedenen Normen und Regeln, die den Umgang miteinander klären. Insbesondere die Camarilla achtet auf eine adäquate Umsetzung der Etikette, in Teilen trifft dies aber auch auf andere Fraktionen oder das Miteinander innerhalb eines Clans zu. Die in diesem Artikel gegebenen Erläuterungen zum Thema Etikette konzentrieren sich auf die Gesellschaft der Camarilla.
Warum ist die Etikette so untrennbar verwoben mit der vampirischen Gesellschaft? Hier fließen verschiedene Faktoren ein. Die Camarilla wurde vor Jahrhunderten gegründet, viele ihrer führenden Mitglieder entstammen einer Zeit, in der per se andere bzw. gehobene Umgangsformen gepflegt wurden. Weiterhin gibt es nicht wenige Vampire, deren sterbliche Wurzeln auf eine gehobene Abstammung zurückgehen. All jene Vampire sind in einer Welt aus höfischen Normen und Regeln aufgewachsen – und sie werden ihre Wurzeln niemals gänzlich abstreifen. Auf übergeordneter Ebene steht das Selbstverständnis der Camarilla: Die Camarilla ist eine gehobene Gesellschaft und somit entspricht es ihrem Selbstanspruch, gehobene Umgangsformen zu wahren.
Neben diesen Gesichtspunkten steht jedoch noch ein anderer, wichtiger Gedanke, der die Etikette begründet: Die Gesellschaft der Vampire ist eine Gesellschaft aus „Raubtieren“, die miteinander in Konkurrenz stehen. Normen und Regeln sind unabdingbar für ein (zumindest weitgehend) friedliches Miteinander. Gäbe es keine allgemeingültigen Umgangsformen, würde die vampirische Gesellschaft durch stete Konflikte zerfallen.
Die Etikette fußt demnach nicht allein auf höfischen Idealen, sondern vor allem auf der Notwendigkeit, das Miteinander und den Austausch untereinander zu ordnen und zu schützen.
Etikette bedeutet jedoch noch mehr: Es ist ein Instrument, mit welchem ohne Gewalt, allein durch Worte und Gesten, die Ordnung der Gesellschaft beeinflusst und die Position sowie die Reputation jedes Einzelnen gewichtet, gestützt oder geschwächt werden können – aktiv oder passiv. Das gesellschaftliche Parkett ist ein "Schlachtfeld ohne Waffen", ein Moloch aus ebenso klaren wie verworrenen Optionen und Fallstricken.
Die Grundzüge der Etikette gelten unter Vampiren als Allgemeinbildung. Weitgehend jeder Erzeuger achtet im Zuge der Ausbildung seines Kindes darauf, die Grundlagen der Etikette zu vermitteln und sein Kind auf den Umgang mit anderen Kainiten vorzubereiten. Dies betrifft insbesondere politisch und gesellschaftlich aktive Clans, für diese ist das Wissen um die korrekten Umgangsformen kein Kann, sondern ein Muss. Doch auch die weniger politisch und gesellschaftlich ausgerichteten Clans achten auf eine adäquate Ausbildung ihrer Nachkommen.
Dass die Grundzüge der Etikette als Allgemeinbildung gelten, hindert Charaktere natürlich nicht daran, die Regeln des Miteinanders situativ und/oder aus genereller Überzeugung bewusst zu beugen oder zu brechen. Wer solches tut, sollte sich jedoch auf ein entsprechendes Echo einstellen.
Hinweis: Außerhalb des Spiels wird über das Thema Etikette zuweilen heiß diskutiert, da es naturgemäß verschiedene Ansichten über das Spiel und die Spielwelt gibt. Grundsätzlich soll Etikette das Spiel bereichern und nicht blockieren. Es gilt, einen soliden Mittelweg zu finden, der einerseits der Spielwelt gerecht wird, andererseits ein flüssiges und faires Spiel erlaubt. Fakt ist: Etikette und gesellschaftliche Aspekte gehören zu der Spielwelt dazu. Im Marburger Spiel wird in der Regel eine "mittelstrenge" Umsetzung der Etikette verfolgt.
Rangordnung der kainitischen Gesellschaft
Vorab eine Anmerkung zu den Begriffen Status und Rang: Im allgemeinen Sprachgebrauch werden beide Begriffe oft synonym verwandt. In der Spielwelt bezeichnet der Begriff Status jedoch einen konkreten gesellschaftlichen Stand einer Figur, der verliehen oder errungen wird. Der Begriff Rang hingegen ist in der Spielwelt nicht speziell belegt und wird allgemein gebraucht.
Der gesellschaftliche Rang eines Kainiten setzt sich aus folgenden Faktoren zusammen:
- Status – Ahn ▶ Ancilla ▶ Neonat ▶ Kind
- Amt – Fürst ▶ Seneschall/Prinzregent ▶ Sheriff ▶ Primogen ▶ andere Ämter (Primogen & andere Ämter: Die Reihung kann regional differieren.)
- Ansehen – die Reputation, die eine Person aufgebaut hat
Status ist die Summe aus der Anerkennung, die ein Kainit innerhalb der Gesellschaft der Camarilla genießt, und dem Alter des Kainiten, wobei die gesellschaftliche Anerkennung überwiegt. Harpyien und/oder Ahnen legen den Status der einzelnen Personen fest, hierbei spielt eine Kombination verschiedener Faktoren eine Rolle. Dazu gehören politischer Einfluss in der Camarilla (meist über die Domäne hinaus), Einfluss im Clan, besondere Verdienste, persönliches Charisma, etc.
Ein Amt bzw. eine offizielle Funktion erhält ein Charakter entweder durch Ernennung, durch eigenes Bestreben, durch politische Winkelzüge – oder durch eine wüste Mischung aus diesen Optionen.
Das Ansehen einer Figur wird maßgeblich von deren Aktivitäten, Errungenschaften und ihrem allgemeinen Auftreten beeinflusst. Es fließen jedoch zahlreiche Faktoren in das Ansehen eines Charakters ein – auch subjektive wie Sympathie und Antipathie.
In der Regel gilt: Status vor Amt vor Ansehen, wobei ein besonders hohes oder schlechtes Ansehen sowohl Amt als auch Status überflügeln kann. Wenn man Nichts über das Ansehen eines Charakters weiß, empfiehlt es sich, es außer Acht zu lassen und diesem Charakter allein gemäß seines Status und Amtes zu begegnen. Alternativ orientiert man sich an etablierten Figuren und leitet aus deren Verhalten gegenüber der Person, deren Ansehen man nicht kennt, ab, ob die betreffende Person ein eher hohes oder geringes Ansehen zu genießen scheint.
Generell ausgenommen von der Regel „Status vor Amt vor Ansehen“ sind Fürsten. Jene tragen eines der höchsten Ämter der Camarilla, entsprechend wird ihnen stets höchster Respekt gezollt.
Die Anforderungen und die Maßstäbe, die an eine Person gestellt bzw. angelegt werden, steigen, je höher eine Person im Status, im Amt oder im Ansehen steht. Die errungene Statusstufe, Ämter und vor allem das Ansehen einer Figur sind dynamische Größen: Wo ein Weg nach oben, da auch ein Weg nach unten.
Die Rangordnung der Gesellschaft ist in der Spielwelt allgegenwärtig. Sie gibt vor, wer wem weisungsbefugt ist, wem und wieviel Respekt zu zollen ist, wem Vorrang zu gewähren ist, wie groß die individuellen Freiräume sind, etc. – weitgehend alle Belange des Miteinanders werden von der Rangordnung begleitet und beeinflusst.
Die Rangordnung der Gesellschaft in der Übersicht:
- Fürst der gastgebenden Domäne
- Fürsten anderer Domänen
- Ahn mit Amt
- Ahn
- Ancilla mit Amt
- Ancilla
- Neonat mit Amt
- Neonat
- Kind
Die Abstufungen der Rangfolge sind teilweise hauchdünn, trotzdem sind sie immer präsent. Die größten Abstände in der Rangfolge liegen im Status, also z.B. zwischen einem Ahnen und einem Ancilla mit Amt oder zwischen einem Ancilla und einem Neonaten mit Amt.
Es gibt Ausnahmen: In Abwesenheit des lokalen Fürsten tritt dessen Stellvertreter an die höchste Position der Rangfolge. Weiterhin gibt es einige Clans, die neben der hier dargestellten Ordnung der Camarilla intern ein eigenes System der Rangfolge unterhalten. Hierzu gehören beispielsweise Clan Tremere und Clan Ventrue. Treten Mitglieder dieser Clans nicht-öffentlich zusammen, gilt die interne Rangfolge. Die Rangfolge der Camarilla ist in einer solchen Situation nebensächlich oder hat ggf. sogar keinerlei Bedeutung.
Bei gleichrangigen Kainiten verschiedenen Geschlechts sollte der Dame der Vorzug gegeben werden. Inwieweit Herren Damen über deren Rang hinaus den Vorzug geben, hängt von den Überzeugungen der Herren und beider Ansehen ab. Außerdem hat bei Gleichrangigen ein Mitglied der gastgebenden Domäne den höheren Rang als ein Gast der Domäne, allerdings ist dieses Gefälle sehr gering.
Respektsbekundung
Die Etikette legt fest, wie Kainiten einander begegnen und welches Maß an Respekt sie einander zollen. Entscheidend für die Abstufungen der Respektsbekundung ist die Rangordnung:
- Ahnen und Fürsten verneigen sich vor anderen Ahnen und Fürsten. Je nach Konstellation der Beteiligten ist das Verneigen ggf. auch nur ein Neigen des Kopfes. Allen anderen Mitgliedern der Gesellschaft begegnen Fürsten und Ahnen gemäß ihrer Überzeugungen und/oder der individuellen Wertschätzung.
- Ancillae verneigen sich tief vor Fürsten und Ahnen, begegnen anderen Ancillae in gebührender Form auf Augenhöhe und beachten Neonaten und Kinder gemäß ihrer Überzeugungen und/oder der individuellen Wertschätzung.
- Neonaten knien vor Fürsten und Ahnen und verbeugen sich tief vor Ancillae. Anderen Neonaten begegnen sie in gebührender Form auf Augenhöhe, Kindern begegnen sie gemäß ihrer Überzeugungen und/oder der individuellen Wertschätzung.
- Kinder knien vor Fürsten und Ahnen, verbeugen sich tief vor Ancillae und verbeugen sich vor Neonaten. Anderen Kindern begegnen sie in gebührender Form auf Augenhöhe.
In aller Regel wird eine vollständige Respektsbekundung nur bei der Vorstellung und bei der Verabschiedung erwartet. Für das gesellschaftliche Treiben wäre es hinderlich, müsste bei jeder Begegnung die vollständige Respektsbekundung abgehandelt werden. Zur Veranschaulichung: Ein Neonat kniet vor einem Fürsten oder Ahnen, wenn er diesen begrüßt und wenn er diesen verabschiedet. Bei weiteren Begegnungen über den Verlauf der Nacht genügt ein Verneigen, vielleicht sogar ein kurzes respektvolles Neigen des Hauptes.
Während einer gesellschaftlichen Zusammenkunft können jedoch Situationen eintreten, in denen es anzuraten ist, unabhängig von dem Szenario der Vorstellung oder der Verabschiedung eine vollständige Respektsbekundung auszuführen. Hier sind unterschiedlichste Situationen denkbar, einige Beispiele, erneut bezogen auf einen Neonaten:
- Ein Ahn oder Fürst ist wahrnehmbar angespannt oder regelrecht wütend und der Neonat befindet sich (unglücklicher Weise) in der Nähe. Der Neonat tritt zurück und kniet sich zur eigenen Sicherheit hin.
- Der Neonat hat ein gewichtiges Anliegen, das er an den Fürsten oder Ahnen herantragen möchte. Er tritt an die entsprechende Figur heran und kniet, um seinem Anliegen durch Zollen des vollen Respektes mehr Gewicht zu verleihen.
- Dem Neonaten ist ein Fauxpas oder gar ein Fehler unterlaufen und er möchte (lies: muss) sich bei einem Fürsten oder Ahnen entschuldigen. Der Neonat kniet und unterstreicht damit seine Untergebenheit - potentiell mildert diese Geste die Reaktion des Fürsten oder Ahnen.
Grundsätzlich gilt: Bei Unklarheit, wie einer Situation zu begegnen ist, sollte immer die vollständige Respektsbekundung ausgeführt werden. Lieber einmal mehr, als einmal zu wenig.
Vorstellung und Verabschiedung
Wichtig: Die Vorstellung ist häufig bereits der entscheidende Moment, in welchem man von Ahnen und Harpyien, aber auch von allen Umstehenden, geprüft und für akzeptabel oder inakzeptabel befunden wird. Der erste Eindruck ist auch unter Kainiten von entscheidender Bedeutung.
Je nach Anlass und Größe der gesellschaftlichen Zusammenkunft variiert der Rahmen an Personen, bei denen man sich vorstellen muss und/oder sollte. In dieser Frage gibt es keine allgemeingültige Antwort. Weiterhin fließen individuelle Aspekte mit ein: Jemand, der sich gesellschaftlich etablieren möchte, sollte einen weiter gefassten Rahmen an Personen begrüßen, um sich bekannt zu machen, und – Schritt für Schritt – seinem Ziel der Etablierung näher zu kommen. Jemand, der eigenbrötlerisch ist oder kein größeres Interesse für die Gesellschaft mitbringt, wird den Rahmen der zu begrüßenden Personen so eng fassen wie möglich.
Folgende Personen sind definitiv zu begrüßen und nach Möglichkeit auch zu verabschieden:
- Der Fürst der gastgebenden Domäne oder dessen Stellvertreter, wenn der Fürst abwesend ist. An dieser Stelle erfragt man auch das Aufenthaltsrecht in der Domäne. (Zur Vorstellung beim gastgebenden Fürsten wird auf den unten folgenden Abschnitt verwiesen.)
- Der Gastgeber der betreffenden Zusammenkunft, wenn nicht der Fürst selbst geladen hat. In einigen Domänen gilt die Regelung, dass der Gastgeber vor dem Fürsten zu begrüßen ist.
Neben diesem Pflichtprogramm gibt es eine Reihe weiterer Personen, bei denen eine Vorstellung empfohlen ist. Hier gilt das oben Dargelegte, je nach Anlass und Größe der Zusammenkunft und je nach individuellen Zielen bzw. Ansichten, variiert der in Frage kommende Personenkreis: Andere anwesende Fürsten, Ahnen (vor allem jene des eigenen Clans), höhere Ämter wie z.B. Seneschall, Sheriff, ggf. auch Primogene und Ancillae (vor allem jene des eigenen Clans). Weiterhin ist es nie verkehrt, sich mit so vielen Mitgliedern des eigenen Clans wie möglich und mit all jenen Personen, die ein gewisses Standing ihr Eigen zu nennen scheinen, bekannt zu machen. Insbesondere bei Versammlungen überschaubarer Größe wird mehr oder minder erwartet, dass man sich bei allen Mitgliedern der Gesellschaft vorstellt. Bei größeren Versammlungen hingegen wird dies nicht erwartet – und wäre auch rein technisch kaum umsetzbar.
Die Rangordnung der Gesellschaft gibt die Reihenfolge der Begrüßungen und der etwaigen Verabschiedungen vor: Zuerst die Ranghöheren, dann die Rangniederen. Im Trubel einer Zusammenkunft ist es nicht immer leicht, die korrekte Reihenfolge zu berücksichtigen. Absolut wichtig ist jedoch, dass der gastgebende Fürst und der Gastgeber des Abends (solange dies nicht der Fürst ist) so früh wie möglich begrüßt werden. Man wartet, bis diese elementaren Begrüßungen vorgenommen werden können. Erst danach wendet man sich anderen Gästen bzw. dem Treiben der Gesellschaft zu.
Oft finden sich auf einer Zusammenkunft Personen, die man nicht kennt und entsprechend auch nicht weiß, welchen Rang sie inne haben. Das ist ein Problem. Es obliegt einem selbst, sich einen Ansprechpartner zu suchen, der einem ein kurzes "Who is Who" (zumindest bezüglich der relevanten Personen) an die Hand gibt. Für eine solche Unterstützung wird eventuell eine Gegenleistung gefordert, was durchaus legitim ist. Nichts ist unangenehmer, als gesellschaftlich negativ aufzufallen, weil man sich nicht informierte - und aus Unkenntnis die gebotene Rangordnung missachtete oder ein ranghohes Mitglied der Gesellschaft schnitt.
Übrigens: Eine Vorstellung wird bei jeder Zusammenkunft erwartet, auch dann, wenn man einander bereits kennt. Die Initiative der Vorstellung liegt bei der Person, die von niedrigerem Rang ist. Allerdings kommt es nicht selten vor, dass ein Ranghöherer proaktiv an einen Rangniederen herantritt und die Begrüßung seinerseits initiiert. Dies kann einer zufälligen Begegnung entspringen, vielleicht geschieht dies aus Goodwill bzw. aus dem Ansinnen, das gesellschaftliche Prozedere möglichst zügig abzuarbeiten, dies kann aber auch Ausdruck einer Wertschätzung sein.
Folgendes ist bei einer Vorstellung zu beachten:
- Man spricht laut und deutlich. Es ist ebenso unhöflich wie für beide Seiten peinlich, wenn die Person, der man sich vorstellt, um Wiederholung bitten muss, weil sie einen nicht verstanden hat.
- Man stellt sich mit Name, Clan, Status, etwaigem Amt und der Domäne, aus der man stammt, vor. Die Reihenfolge dieser Informationen ist nicht vorgegeben. Um sich Unannehmlichkeiten zu ersparen, sollte man sich eine Formulierung einprägen und üben. Zum Beispiel: "Mein Name ist X, Neugeborener des Clans Y, Primogen der Domäne Z." - fertig. Wünscht die Person, der man sich vorstellt, weitere Informationen, wird sie diese erfragen.
Verabschiedungen werden weniger strikt verfolgt als Begrüßungen. Beim gastgebenden Fürsten und beim Gastgeber sollte man sich auf jeden Fall verabschieden. Je nach Situation und nach individuellen Überzeugungen ist eine Verabschiedung bei weiteren Personen sinnvoll – siehe Auflistung bei der Vorstellung. Es gilt als guter Ton, sich insbesondere bei jenen Personen zu verabschieden, mit denen man im Verlauf der betreffenden Zusammenkunft näheren Kontakt bzw. Austausch geführt hat (solange dies im Guten erfolgte).
Vorstellung bei Fürsten und Ahnen
Es gelten die Handhabe und die Hinweise, die in diesem Leitfaden aufgeführt sind. Eine Vorstellung bei einem Fürsten oder einem Ahnen ist jedoch quasi das Sahnehäubchen auf der Etiketten-Torte, deshalb erhält diese Situation einen eigenen Abschnitt.
Für Neonaten und vor allem für Kinder gilt folgende Empfehlung: Suche Dir jemanden, der die betreffende Figur bereits kennt, und Deine Vorstellung begleitet. Das verschafft Sicherheit und unterstreicht den förmlichen Rahmen. Diese Empfehlung gilt insbesondere, wenn Du die Figur, der Du Dich vorstellen möchtest bzw. musst, noch nicht kennst. Wie in allen Situationen, in denen man sich Support organisiert, kann die von einem Dritten gebotene Unterstützung die Forderung nach einer kleinen Gegenleistung inkludieren. Kennst Du die betreffende Figur bereits und handelt es sich um eine erneute Vorstellung, kann situativ / individuell auf die Begleitung der Vorstellung durch einen Dritten verzichtet werden.
Man wartet auf eine adäquate Gelegenheit für die Vorstellung, versucht aber zwingend, diese so zügig wie möglich nach dem eigenen Erscheinen oder dem Erscheinen des Fürsten bzw. Ahnen durchzuführen. Man beachtet die gesellschaftliche Rangordnung, man stellt sich erst dann vor, wenn man des eigenen Ranges nach an der Reihe ist.
Geht es um die Vorstellung beim gastgebenden Fürsten (der Fürst, in dessen Domäne man sich gerade aufhält), ist es obligat, gemäß der Traditionen nach dem Gastrecht zu fragen. Stichwort: Traditionen der Camarilla! „Ohne das Wort der Aufnahme bist Du Nichts!“, was im bedeutet: Hält man sich ohne erteiltes Gastrecht in einer Domäne auf, können schärfste Konsequenzen ergehen – der Theorie nach umfasst das auch die mögliche Vernichtung des sich illegal in einer Domäne aufhaltenden Charakters, in der Spielpraxis wird der Fürst (zumeist) eine gewisse Milde walten lassen und eine leichtere Konsequenz als die Vernichtung ergehen lassen. Wurde einem bereits bei einer vorherigen Gelegenheit das Gastrecht für die betreffende Domäne erteilt und ist diese Erteilung noch gültig (das Gastrecht wird oft zeitlich eingegrenzt), entfällt die Frage nach dem Gastrecht. Wann immer man sich unsicher ist, ob ein zuvor erteiltes Gastrecht noch Gültigkeit besitzt, empfiehlt sich die Nachfrage. Handelt es sich bei dem gastgebenden Fürsten um den eigenen Fürsten (heißt, man ist Bürger der betreffenden Domäne), erübrigt sich die Frage nach dem Gastrecht natürlich. Das gilt jedoch nur, wenn zuvor unmissverständlich kommuniziert wurde, dass man in diese Domäne aufgenommen ist. Die Vorstellung bei Fürsten und Ahnen kann situativ / regional / individuell einer anderen Systematik folgen als der klassischen Rangordnung der Gesellschaft. Beispielsweise stellen sich Gruppen von Gästen, die aus einer Domäne stammen, häufig als Delegation, d.h. gemeinsam, vor. In einem solchen Falle ist es üblich, dass eine Person aus der Delegation die Funktion des Sprechers übernimmt und alle Gäste aus der Delegation vorstellt. Das sorgt für Struktur und beschleunigt das Prozedere. Ebenso ist es möglich, dass sich mehrere Personen zu einer kleinen Gruppe zusammenstellen und sich gemeinsam vorstellen, z.B. Mitglieder eines Clans.
Wie läuft eine Vorstellung bei einem Fürsten oder einem Ahnen ab? Hier ein kleiner Leitfaden:
- Ist man an der Reihe, so tritt man vor den Fürsten oder Ahnen und verbleibt in angemessenem Abstand stehen. Als angemessener Abstand können 3 – 4 Schritte erachtet werden. Man nähert sich dem Fürsten oder Ahnen von vorn, nicht von der Seite und erst Recht nicht von hinten. Abweichungen von dieser Regel sind nur gestattet, wenn die räumliche Situation ein Herantreten von vorn nicht erlaubt.
- Sobald man die angemessene Distanz erreicht hat, nimmt man die Position der Respektsbekundung ein, die gemäß des eigenen Ranges die korrekte ist. Der Blick ist gesenkt, jedoch nicht auf den Boden gerichtet.
- Man wartet, bis einem das Wort erteilt wird. Oft ist das eine Überleitung wie „Bitte …“ oder „Sprechen Sie vor!“, etc.
- Hat man eine angemessene Zeit gewartet, aber das Wort wurde einem nicht erteilt, versucht man, der Situation zu verhelfen, z.B. durch ein höfliches, aber vernehmliches „Höchstverehrter Fürst, gestatten Sie eine Vorstellung?“. Daraufhin sollte sich der Fürst oder Ahn rühren. Tut er es weiterhin nicht: Problem. Das wäre eine schwierige Situation, die wahrscheinlich nichts Gutes verhieße. Für einen solchen Fall kann keine allgemeingültige Empfehlung ausgesprochen werden. Wahrscheinlich ist es ratsam, sich dann mit einem höflichen „Verzeihen Sie die Störung, ich stelle mich Ihnen zu späterer Zeit vor.“ und unter Wahrung höchster Respektsbekundung zurückzuziehen.
- Die Erlaubnis, das Wort zu erheben, wurde erteilt: Man stellt sich klar und deutlich vor. Man verbleibt währenddessen in der Position der Respektsbekundung und wartet auf die Reaktion des Fürsten oder Ahnen.
- Situativ entspannt sich eine kurze Konversation, beispielsweise, um die Frage nach dem Gastrecht zu klären. Es ist unschicklich, den Fürsten oder Ahnen während einer Vorstellung in ein tieferes Gespräch zu verwickeln. Hat man jedoch ein Anliegen, das ein näheres Gespräch erfordert, kann man dies bereits während der Vorstellung anmerken und um ein Gespräch zu späterer Zeit bitten. („Ich habe ein Anliegen, welches ich zu späterer Zeit gern mit Ihnen besprechen würde, so es Eure Zeit erlaubt. Es geht um XYZ.“)
- Der Fürst oder Ahn leitet die Beendigung der Vorstellung ein. Dies sind oft Floskeln wie „Ich danke Ihnen, einen angenehmen Abend Ihnen.“ oder Ähnliches. Man verbleibt in der Position der Respektsbekundung, bis der Fürst oder Ahn einen aus dieser Position entlässt. Dies kann non-verbal in Form einer Handbewegung erfolgen oder durch eine entsprechende Äußerung.
- Wurde man entlassen, erhebt man sich, tritt 2 – 3 Schritte rückwärts zurück (also weiterhin gen Fürst oder Ahn ausgerichtet), verneigt sich dann noch einmal, wendet sich dann um und verlässt die Situation. Es empfiehlt sich – besonders in räumlich engen Verhältnissen – während des Erhebens aus der Respektsbekundung einen Blick nach hinter sich zu erhaschen, um beim Zurücktreten nicht ungeschickt gegen eine andere Person oder ein Hindernis zu stoßen.
- Fertig – im Idealfall hat man überlebt.
Allgemeiner Umgang
Fast alle Höflichkeitsregeln der menschlichen Etikette haben auch in der kainitischen Gesellschaft Geltung. Stichwort: Knigge.
Grundsätzlich sollte man auf ein angemessenes Verhalten achten und niemandem ungewollt auf die Füße treten. Unterläuft einem ein Fauxpas, entschuldigt man sich. Jemanden absichtlich zu brüskieren, ist eine ungesunde Idee. Ist man hinsichtlich des korrekten Verhaltens unsicher, fragt man bei einer erfahrenen Person nach. Es ist möglich, dass die angefragte Person für ihre Auskunft und Hilfe eine kleine Gegenleistung festlegt – dies ist zu akzeptieren.
Niemals vergessen: Zusammenkünfte sind das Schlachtfeld der Gesellschaft. Das Verhalten eines jeden wird gesehen – und kann zu dessen Nachteil oder Vorteil bewertet und ausgelegt werden.
Themen und Tipps
Schriftliche Konversation
Beim Abfassen von Briefen sind Anrede und Grußformel am Schluss des Briefes üblich. Die Auswahl der sprachlichen Mittel hängt vom jeweiligen Texttyp, der Botschaft und des persönlichen Verhältnisses ab.
Die Anrede erfordert die Nennung des Angeschriebenen, die Grußformel die Nennung des Verfassers. In formellen Schreiben benutzt man bei der Anrede stets die volle korrekte protokollarische Anrede des Adressaten und seinen Namen. In informellen Schreiben benutzt man bei der Anrede die diffizileren Abstufungen:
- "Hochverehrte/r" bei 3 Stufen protokollarischen Unterschieds
- "Sehr (oder auch hoch) verehrte/r" bei 2 Stufen protokollarischen Unterschieds
- "Verehrte/r" bei 1 Stufe protokollarischen Unterschieds
- "Werte/r" bei Gleichstand
- "Geschätzte/r" zu Rangniederen
Ergänzung: Diese Auflistung gibt einen guten Überblick, aber natürlich sind Varianzen und veränderte Formen möglich. Entscheidend ist, dass der Status bzw. Rang des Adressaten in der Anrede und auch in der Grußformel am Schluss des Briefes korrekt bedacht wird. In der Aufstellung fehlt die moderne und weit verbreitete Anrede "Sehr geehrte/r" – diese kann ebenfalls gewählt werden, sie ist einzuordnen auf ungefähr ranggleichem Niveau und zu Rangniederen.
In formellen Schreiben schließt man mit einer diplomatischen Note. Wichtig ist, dass die Hochachtung für hohe Würden der Camarilla (über einem Prinzen stehend) um "ganz ausgezeichnet", bei Prinzen um "ausgezeichnet" und bei Amtsträgern um "vorzüglich" ergänzt wird: Zum Beispiel "In ausgezeichneter Hochachtung" – auch hier gilt, dass verschiedene Formulierungen eines Grußes denkbar sind, relevant ist, dass der Status des Adressaten angemessen aufgegriffen wird.
In informellen Schreiben ist es zulässig "Mit freundlichen Grüßen" oder bei einer gewissen Vertrautheit "Mit herzlichen Grüßen" zu enden. Bestimmte Clans, Sekten oder andere Fraktionen mögen einzelne Formulierungen haben, die dort verbreitet sind (bspw. "Mit bundesbrüderlichen Grüßen"). "Mit bester Empfehlung" sollte man nur grüßen, wenn man auch tatsächlich seine Dienste oder sein Eigentum zur Verfügung stellen will. "Viele Grüße" ist sehr neutral (und darum bei informellen Schreiben gut einsetzbar), aber auch völlig aussagelos. Ist der Inhalt sehr privat kann man natürlich auch mit Ausdrücken wie "Ihr ergebener Diener" oder "Stets der Ihre" schließen, um eine besondere emotionale Nähe auszudrücken, aber hier überschreitet man schnell eine empfindliche Grenze.
Während eines Schreibens erkundigt man sich immer nach dem Befinden des Adressaten und wünscht diesem am Schluss etwas Schönes, AUSSER es ist bekannt, dass er sich in einer prekären Lage befindet. Diese zu erwähnen, wenn sie nicht explizit Inhalt des Schreibens ist, gilt wiederum als unschicklich.
Bei einem Brief ist die Bitte um eine Antwort immer implizit, selbst wenn er nicht mit einer Frage endet. Wenigstens in zwei Zeilen sollte man noch den Erhalt des letzten Schreibens bestätigen und sich bedanken, selbst wenn bereits alle Fragen geklärt sind.
Eine schriftliche Einladung ist IMMER zu beantworten, selbst wenn nirgendwo R.S.V.P. darin steht, es sei denn der Einladende vermerkt explizit, dass er keine Rückmeldung wünscht.
Und zum Schluss: Auch wenn Vampire sehr langlebig und geduldig sind, einen Brief länger als einen Monat nach Erhalt unbeantwortet zu lassen, ist eine Frechheit. Ein Zweizeiler, der informiert, dass man sich einer Beantwortung später widmen wird, genügt, um eine (überschaubare) Nachfrist zu erhalten.